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Plenarvortrag

Neues vom kleinen Unhold: Spannungsrisskorrosion im täglichen Leben

Donnerstag (22.09.2016)
14:30 - 15:00 Uhr Hörsaal A
Bestandteil von:


Schäden durch kathodische Spannungsrisskorrosion sind allgegenwärtig. Dabei nehmen hochfeste Bauteile Wasserstoff auf, der schon bei geringster Korrosion durch die kathodische Teilreaktion in ausreichendem Maße atomar entsteht. Im Metallgitter reichert sich der kleine Unhold systemimmanent ausgerechnet in den Bauteilgebieten an, wo das Metallgitter ohnehin unter höchster Spannung steht und ihn in den expandierten Zwischengitterplätzen zum Verweilen einlädt. Wird bei gegebener Spannung (Eigen- und Betriebsspannungen) die Kohäsion der Metallatome durch genügend eingelagerte Wasserstoffatome geschwächt, kommt es zur spontanen Werkstofftrennung, oft mit katastrophalen Folgen.


Wegen der für die Wasserstoffanreicherung diffusionsbedingt erforderlichen Zeit spricht man von "verzögerter Rissbildung", die Minuten, aber auch Monate dauern kann. Bemerkenswert ist die geringe anodische Korrosion, häufig kaum als Rostbildung sichtbar, die imstande ist, die für diese wasserstoffinduzierte Rissbildung erforderliche Wasserstoffmenge zu produzieren. Setzt die Korrosion erst nach längerem Bauteilleben ein, kann dies eine weitere Verzögerung des Schadenszeitpunktes bedeuten.


Es werden Schadensbeispiele aus verschiedenen Bereichen der Technik und des privaten Lebens gezeigt.

 

Sprecher/Referent:
Prof. Dr.-Ing. Michael Pohl
Ruhr-Universität Bochum